1920 - 1955

 

Fußballsport in Verlar — das gibt es nicht erst seit 1955, dem Gründungsjahr des heutigen
SV Blau-Weiss- Verlar.

Bereits 1920 fanden sich sportbegeisterte Jugendliche zusammen, 
um dem runden Leder hinterher zu jagen. Der damalige örtliche Lehrer Borgdorf förderte
und leitete Bewegung.
Eines der ersten Spiele wurde im Herbst des Jahres gegen Hörste ausgetragen. Ort der Be-
gegnung war ,,Bukeln Wiese", wo heute der Hof Steffensmeier steht.

Hierzu berichtete die Geseker Zeitung am 2. Oktober 1920. 
Verlar —Hier bildete sich vor wenigen Monaten ein Fußballverein, der zu den schönsten 
Hoffnungen berechtigt. In Wettkämpfen mit Nachbargemeinden hat er sich bis jetzt 
vortrefflich geschlagen, was umso anerkennenswerter ist, da unser Verein hauptsächlich
aus jüngeren Kräften besteht. Hoffentlich schließen sich aber demnächst auch 
ältere Jahrgänge an. Heutzutage, wo die dunklen Schatten des Krieges noch auf uns liegen, 
wird im wogenden Kampf um Tor und Ball der Geist losgelöst vom Einerlei des Alltags
und von den Sorgen der Zeit. Zudem wird durch den Sport der Körper sehnig und gelenkig.
Möge darum unser Verein gedeihen unter der Parole ,,An der Lippe, allen voran".

Gerade geboren, schon zwei Mannschaften stellend, von denen eine schon ,,wohltrainiert"
sein soll, gerät der junge Verein schon in die Schlagzeilen der örtlichen Presse. Zeitungsbe-
richte und Leserbriefe aus Hörste und Verlar wechseln sich ab.

Zeitungsbericht vom 18. Oktober 1920
Verlar — Am vergangenen Sonntag standen sich die 2. Mannschaft des Fußball-Klubs
Hörste und die 2. Mannschaft des Ballspielvereins Verlar auf dem hiesigen Sportplatze im
Fußballwettspiel gegenüber. Gleich zu Anfang des Spiels konnte Verlar zweimal erfolg-
reich sein. Trotz des scharfen Gegenspiels von Seiten der Hörster Mannschaft war es ihr
nicht möglich ein Tor zu erringen (Halbzeit 5:0). Nach der Halbzeit konnte Verlar noch
dreimal ins Hörster Tor senden. So endete das Spiel zu Gunsten Verlar 8:0! Schiedsrichter
Fritz Schmidt (Sohn des Lehrers Schmidt aus Hagen) leitete das Spiel vorzüglich. Dem
Ballspielverein Verlar ein kräftiges ,,Ball Heil!".

Leserbrief der Hörster Sportfreunde an die Zeitung

,,ln dem, in der Dienstagsnummer unter ,,Verlar" gebrachten Bericht über das Fußballspiel
zwischen dem Verlarer und dem Hörster Ballspielverein scheint dem Berichterstatter, wohl
aus Vergesslichkeit, ein kleiner Irrtum unterlaufen zu sein.
Das Spiel war wohl zwischen den beiderseitigen 2. Mannschaften vereinbart, wie sich aber
herausgestellt hat, ist von dem Verlarer Verein die l. Mannschaft unterschoben Worden, ob
aus Vorsicht, oder um einen billigen Erfolg buchen zu können, lassen wir dahingestellt. Die
Verlarer 2. Mannschaft scheint doch heillosen Respekt vor den Hörstern zu haben, sonst
hatte sie den Kampf selbst riskiert und nicht die l. Mannschaft als Zweite ausgegeben. Ein
Kampf zwischen einer wohltrainierten und gut eingespielten l. Mannschaft und einer 2.
Mannschaft, die ihr erstes Wettspiel antreten will, ist doch wohl zu ungleich, als dass man
auf das vorherzusehende Resultat so besonders stolz sein konnte.
Um aber der Verlarer 1. Mannschaft Gelegenheit zu geben, ihr Können an einem spielstär-
keren Gegner zu erproben, so laden die Hörster sie hiermit für den 31. Oktober zum Wett-
spiel gegen die Hörster 1. Mannschaft nach Hörste ein. Hoffentlich lassen die Verlarer sich
diese Gelegenheit nicht entgehen. — Sportverein ,,Höga" Hörste —

Bericht der Geseker Zeitung vom 2. November 1920:
Wie schon bereits durch diese Zeitung bekannt geworden ist, wurde die l. Mannschaft des
Ballspielvereins Verlar durch den Sportverein ,,Höga" Horste öffentlich zu einem Fußball-
wettspiel am Sonntag, den 31. Oktober nach Horste aufgefordert, um ihre Devise ,,An der
Lippe allen voran", welches allem Anschein nach den Hörstern stark auf die Nerven gefal-
len zu sein scheint, auch vollständig wahr zu machen. Diese Einladung wurde von den Ver-
larern bereitwilligst angenommen. So standen sich die beiderseitigen spielstarken Mann-
schaften am vergangenen Sonntag in Hörste im scharfen FuBballwettkampf gegenüber. 
Aufbeiden Seiten wurde mit großer Anstrengung gespielt, trotzdem war es den Hörstern 
doch nicht möglich das Spiel zu ihren Gunsten auszutragen. Es endete unentschieden 1:1 
Den Verlarern ihre ausgegebene Devise um jeden Preis streitig zu machen, ließ es sich der
Hörster Sportverein nicht nehmen zu einem Retourwettspiel gegen die l. Mannschaft am
1.November nach Verlar zu kommen. Trotz der starken Kälte hatten sich viele Zuschauer auf
dem Platz eingefunden, die mit atemloser Spannung auf den Ausgang dieses äußerst inte-
ressanten Wettspieles harrten. Hier hatten die Hörster mehr Glick. Im äußerst scharfen
Spiel und durch den starken Ostwind sehr begünstigt, gelang es ihnen in der 1. Halbzeit den
Ball zweimal ins Verlarer Tor zu senden. Die Unterlegenheit der Verlarer Mannschaft zeig-
te sich deutlich darin, dass zwei ihrer besten Spieler krankheitshalber am Wettspiel
nichtteilnehmen konnten. So endete das Spiel zu Gunsten von Horste 2:0.

Welch große Freude die Hörster darüber hatten, den Verlarern mal endlich einen Schlag ver-
setzt zu haben, kam darin zum Ausdruck, dass sie mit einem ungewöhnlich lautem Gesang,
welcher jedem harmlosen Burger unseres Ortes auf die Nerven fallen musste, unser stilles
Dörflein verließen.

1921 wurde erstmalig ein Pokalturnier ausgetragen. Gemeinsam zogen die teilnehmenden
Mannschaften aus Ehringhausen, Steinhausen, Hörste/Mönninghausen und dem Verlarer
Gastgeber durch den Ort zum Sportplatz in Westers Kamp beim damaligen Vereinslokal
Müther. Sieger wurde die Elf aus Ehringhausen. Einen festen Namen gab es für den ersten
Verlarer Fußballverein noch nicht. Eine Bezeichnung war ,,Heideblümchen Verlar". Um
das Jahr 1925 kam der Fußballsport vorübergehend zum Erliegen. Aber schon 1928 begann
man mit dem Aufbau eines neuen Vereins. Man schloss sich der DJK (Deutsche Jugend
Kraft in kirchlicher Trägerschaft) Bewegung an. Dieser Verband wurde damit 1933 von den
Nationalsozialisten verboten. Trotzdem wurde in Verlar weiterhin Fußball gespielt. Erst 
Ende der dreißiger Jahre musste der Spielbetrieb eingestellt werden, da viele der Spieler
infolge Kriegsdiensten eingezogen wurden. Die Vereinsfarben der DJKler waren rot-weiB.
1940 konnte aber immerhin noch eine Jugendmannschaft gestellt werden. In schwarz/
gelben Kluften bestritt man damals die Spiele um die so genannte ,,Bannmeisterschaft". Mit
einer spielstarken Elf siegte man gegen Störmede (4:1), Lipperode (2:1), Langeneicke (4:1)
und Borussia Lippstadt (3:0). Im Endspiel wurde Teutonia Lippstadt mit 4:1 bezwungen, 
Verlar war der neue Bannmeister, für den kleinen Verein ein großer Erfolg. Von den dama-
ligen Spielern lebt heute noch Josef Wischer.
Der Krieg stoppte leider zwischenzeitlich die weitere positive Entwicklung des Fuß-
ballsports. Aber bereits kurze Zeit nach Kriegsende begann man wieder mit dem Ver-
einsaufbau. Die Initiative ging dabei sogar von kirchlicher Seite aus. Rektor Haselhorst
(Pfarrer in Verlar von 1934 bis 1961) wollte die Unsitte des Tanzens auf den Deelen und
Schoppen des Dorfes abschaffen, wobei sich die jüngeren Jahrgänge beiderlei Geschlechts
vergnügten. Die Verlarer Jugend sollte sinnvolleren Zielen nachstreben. So wurde 1946 der
VfB Verlar gegründet. Schon kurz darauf nahmen zwei Mannschaften am Spielbetrieb teil.
lm erstem Jahr belegte man in der 2. Kreisklasse schon den 4. Tabellenplatz. Die Saison
47/48 begann mit einer Niederlage gegen Verne, der einzigen übrigens, sodass Verlar als
Meister in die 1. Kreisklasse aufstieg. Als Neuling wurde im darauf folgenden Jahr der 3.
Platz erreicht. Leider konnte dann 1949 der Abstieg nicht vermieden werden. 1950 musste
der Verein infolge Spielermangels aufgelöst werden.

lm Winter 47/48 trainierte der spätere FIFA-Trainer Dettmar Cramer, zu der Zeit in Geseke
wohnhaft, auch den VfB Verlar. Die Entlohnung wurde in Naturalien geleistet (Eier, Butter,
Speck). In diesen Nachkriegsjahren war es nicht immer einfach das Transportproblem zu
den Auswärtsspielen zu bewältigen. Teilweise fuhr man gemeinsam auf Lastwagen oder
sogar dem Milchwagen. Alle Fahrzeuge waren damals noch so genannte Holzvergaser. Der
Fahrpreis betrug für Zuschauer ein Ei, Spieler wurden kostenlos befördert. Auch wurde
schon einmal ein Eimer Rubenkraut zur Deckung der Fahrtkosten gesammelt.


Traditionsgemäß wurden ab 1947 auch wieder die Verlarer Sportfeste veranstaltet. Hier-
über berichtet jeweils die Gemeindechronik

1947

Am 16. und 17. 8. fand am Orte ein großes Sportfest statt. Die Alte-Herrenriege zeigte am
Samstag ihre Gelenkigkeit und Gewandtheit beim Fußballspiel. Am darauf folgenden Sonntag kämpften sechs Vereine um den Pokal. Als Sieger ging Rot-Weiss aus Verne hervor. Leider verlief das Fest nicht ohne Unglück; Franz Heuer zog sich einen Kieferbruch zu und musste ins Krankenhaus nach Munster zur Behandlung. Nach dem Spiel wurde bis zum Morgengrauen im Zelt’ dass auf dem Spielfeld aufgestellt war, fröhlich getanzt. Anschließend an dieses Fest fand das Schützenfest statt. lm Einlagespiel trennten sich Verlar und der VfL Geseke 4:4.

1948

Am 8.8. veranstaltete der hiesige Sportverein ein gr0Bes Sportfest. lm Pokalspiel gegen Hörste ging Mantinghausen als Sieger hervor. Das Werbespiel sah Verlar als 2:1 Sieger über den VfB Salzkotten.

1949

Am 29.5. hielt der Sportverein Verlar ein Spielfest ab. Wegen des Regens mussten die
Spiele abgebrochen werden und wurden am Pfingstsonntag fortgesetzt. Sportclub Rot-Weiss
Verne war Sieger gegen Mantinghausen und erhielt den Pokal. Anschließend fand Tanz bei
Müther statt. lm Einlagespiel unterlag die Verlarer Elf gegen Thüle 1:3.

Auf diesen Sportfesten wurde jeweils von den Mannschaften Vorher am Ehrenmal ein Kranz niedergelegt und eine Ansprache gehalten. Danach formierte sich der Zug zu den Spielen auf dem Sportplatz. Begleitet wurden die Spieler von den „Ehrendamen“ die auch bei der Siegerehrung Blumen überreichten. Auch der Vereinswimpel und der Pokal wurden mitgeführt.

musik  
Die Harmonie-Kapelle Verlar nahm früher wie heute,
an der Gestaltung des Festes aktiven Anteil.
 

Die damalige Mannschaft nahm an vielen Pokaltunieren mit Erfolg teil. Pfingsten 1947 war man in Mantinghausen eingeladen. Im ersten Spiel gewann Verlar gegen Verne mit 2:0. Endspielgegner war Lipperode, das 2:1 bezwungen wurde. Im gleichen Jahr spielte man auch in Horste um den Pokal. Das Spiel gegen Mönninghausen wurde von einem Unparteiischen geleitet, mit dessen Entscheidungen die Verlarer nicht einverstanden waren. Als ein Elfmeter zum dritten Mal gegen Verlar wiederholt werden sollte, ging man kurzentschlossen vom Spielfeld.

1948 war das Jahr der Pokalerfolge. In Holsen wurde Hörste im Endspiel mit 3:0 bezwungen. Zum Pokalturnier nach Brenken fuhr man wiederum mit dem Holzvergaser der Unternehmers Kotting. Auch dort wurde der Pokalsieg geschafft. Wewelsburg war der Endspielpartner und wurde mit 2:0 besiegt. Während des Spiels wurden vier Verlarer Frauen, die lautstark Einfluss auf den Spielverlauf nahmen, vom Schiedsrichter des Platzes verwiesen. Bestimmt ein Novum zu jener Zeit! Das Turnier in Horste sah wiederum die Verlarer Elf erfolgreich. Im Endspiel konnte Holsen gar mit 5:1 bezwungen werden. Lediglich in Esbeck konnte nur der 2.Platz erreicht werden. Das Endspiel gegen Bad Westernkotten ging knapp mit 2:3 verloren.

Nach der Vereinsauflösung 1950 nahm der Schuster Josef Bertels (sen.) die Tore zur Aufbewahrung, um sie einige Jahre später bei der Neugründung wieder aufzubauen. Die Torpfosten und Torlatte waren in blau-weiBen Farben gestrichen.

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